Archiv der Kategorie 'Schreiben'

Faust-Kultur

Dienstag, den 22. November 2011

Das Wort Lakonie leitet sich von den Lakoniern ab, die in der Antike im östlichen Süden des Peloponnes zu Hause waren. Nach ihrem Zentrum, dem Stadtstaat Sparta, werden sie gerne pauschal Spartaner genannt. Ihre unsentimentale, mitleidlose Haltung und ihre verknappte Ausdrucksweise wurden uns später als literarischer Stil überliefert. Julia Mantel, zu Füßen des Taunus aufgewachsen, pflegt in ihren Gedichten diese Lakonie, die sie mit Wortspielen und –umdeutungen zu einem Personalstil formt. Dabei bekleidet der aphoristische Tonfall oft den melancholischen Kern der Aussage, wie in „strandnotiz 2004“: bis zum horizont/ legt sich das meer/ in dauerwellen/und auch ich/ befände mich gern/ unter der haube. Julia Mantel ist das Epische fremd. Ihre Gedichte sind gesammelte Augenblicke, die mit reduziertem Vokabular Einblicke in eine Befindlichkeit zwischen den Gewissheiten erlauben. Und selbst, wenn sie sich ganz dem Bedeutungsspiel der Worte überlässt, ist ihr Zugriff darauf von der eigenen Erfahrung geleitet: Von Hoffnung und Verzweiflung erzählen ihre zusammengesteckten Notate, auch wenn das Ich fehlt. Und doch kommen sie so undramatisch und trügerisch leicht daher, dass der Widerspruch zwischen Form und Inhalt selbst als poetische Aussage mitgelesen werden muss. Lakonie ist eben nicht nur spartanisch. Bernd Leukert

Kreuzwort in Berlin

Donnerstag, den 17. November 2011

Kreuzwort am 28.11.:

KREIPE, MANTEL, ROLOFF & STEINBRÜCK

Okay, das dürfte den meisten nun schon klargeworden sein über unsere Lettrétage-Übernahme, aber: Letztens erst wurde unsere scharmante kleine Lesereihe ein Jahr alt. Yay us! Mittlerweile sind wir schon bei der dritten Location angekommen, dem bezaubernden Damensalon in der Reuterstraße 39. Wie wir eigentlich dort hingekommen sind? Mit der U8 über die Stationen Schönleinstraße oder Hermannplatz, bei größerer Abenteuerlust haben wir die Busse 194 oder M29 genutzt. Carolin kann sogar bequem zu Fuß laufen, was allerdings bei der Wahl dieser schönsten der schönen Kreuzköllner Kneipen nicht ausschlaggebend war.

Jedenfalls werden wir am 28.11. erneut dort aufschlagen und begrüßen ab 20h freudigst euch und außerdem zwei alte Bekannte sowie zwei neue Gesichter, die mitsamt ihren Körpern aus dem eventuell ja okkupierten Frankfurt am Main einreisen! Lutz Steinbrück war schon am 11.10. bei uns und verkaufte mir damals seinen ersten Lyrikband mit Widmung für seine Oma („…dies ist nun meine Dichtersprache … es ist eben alles sehr modern!“) und gut einen Monat später gab sich Birgit Kreipe am 08.11. bei uns (damals noch im Schatzi Neuberg) die Ehre. Ihr zweiter Lyrikband ist grade in Arbeit – vielleicht nimmt sie ja Vorbestellungen entgegen, sollte jemand mit einer persönlichen Widmung seiner oder ihrer Großmutter eine Freude bereiten wollen. Wir freuen uns auch sehr über Marcus Roloff und Julia Mantel, die extra aus Frankfurt anreisen werden, um bei uns zu lesen – eine Gelegenheit, die sich selten auftut.

Deswegen 3€ Eintritt und etwas Nostalgiebereitschaft sowie Entdeckungslust einpacken und sich am 28.11. in den Damensalon begeben, um dem finanzmetropolitanen Stoffwechsel (Stoff… Textilien… Text…, ihr wisst schon) mal hautnah zu erleben.

Birgit Kreipe

geb. in Hildesheim. Kindheit & Jugend auf dem Land. Studium der  Psychologie und Germanistik in Marburg, Wien und Göttingen, lebt in Berlin.
Kurzprosa und Gedichte sind in vielen Zeitschriften und Anthologien erschienen (zuletzt in lichtungen, randnummer, in: Schneegedichte, hrsg. von Ron Winkler, im Jahrbuch Lyrik 2011)
Im Juni 2010 erschien wenn ich wind sage, seid ihr weg, Verlag im Proberaum, Klingenberg.
Im Winter 2011/12 erscheint „schönheitsfarm“ im Verlagshaus J. Frank, Berlin
Birgit Kreipe ist Mitglied im „forum der 13″

löwen

 
schaumkronen des windes, geflügelt
ihr hierhier in der mündung nordost

antwort auf die wiederholte
frage des meers: wo ist der strand?

 
letzter zuruf für taucher und träumer
zwischen boje und windpark gespannter

anker für boote und wolken
schweben von blau zu blau

magie für bäume im hinterland
die verstreut vom wasser träumen

 
gespielt auf dem gras, auf dem dünenkamm
heute die antwort für die, die das meer suchen.

Julia Mantel

jahrgang 1974, studium der angewandten kulturwissenschaften in lueneburg, 
seit 2000 konzentration auf lyrik, teilnahme an der textwerkstatt darmstadt unter der leitung von 
kurt drawert, zahlreiche publikationen in anthologien, regelmaessige lesungen bundesweit.

lebt als autorin, strickkuenstlerin und sprecherin in frankfurt am main.

www.unvermittelbar.de

letzte veröffentlichung:
„dreh mich nicht um“

mit illustrationen von petrus akkordeon

fixpoetry-verlag/ hamburg 2011

für thomas brasch

streich mir das haar
aus der stirn,

ich habe bretter
vorm kopf, die
die welt bedeuten,

berühre mich dort,
wo ich nie gewesen bin.

Marcus Roloff

geboren 1973 in Neubrandenburg (DDR), lebt als Lyriker und Übersetzer in Frankfurt am Main. Studium der Neueren deutschen Literatur, Philosophie und Kulturwissenschaft an der HU Berlin. Literarische Veröffentlichungen seit 1997, zuletzt u.a. in „Neue Rundschau“, „wespennest“, „Lyrik von JETZT zwei“, „alles außer Tiernahrung“ und „Jahrbuch der Lyrik 2011″. Im Herbst 2010 erschien im gutleut verlag Frankfurt/M. sein dritter Gedichtband „im toten winkel des goldenen schnitts“.

balcke + heym

überm winter die landschaft durch watte & licht-
schrulle leer. eisiger werder. er wolle den raureif
feiern. wenn er sterbe seien die menschen tot. wie
stottern sei das nur dass nichts hängen bleibe denn
da werfe man ja die silben in eine art doppelten
boden. die welt klappe nach hinten. aber eigentlich
stottere niemand. das sei nur reminiszenz an die
rememorierte gegend zwischen havel & havel.

Lutz Steinbrück

geboren 1972 in Bremen. Studierte Germanistik und Anglistik in Oldenburg/Niedersachsen. Seine Magister-Arbeit „Fremde Heimat“ über Vechta in der Lyrik Rolf Dieter Brinkmanns erschien 2007 im Oldenburger BIS-Verlag. Seit 2004 lebt er in Berlin. Schreibt Lyrik, Artikel für Print- und Onlinemedien und macht Musik mit der Band „Nördliche Gärten“. Im September 2008 erschien sein erster Lyrikband „Fluchtpunkt: Perspektiven“ im Lunardi Verlag (Berlin). Sein zweiter Gedichtband „Blickdicht“ folgte im März 2011 im Verlagshaus J. Frank (Berlin). Einzel-Veröffentlichung von Gedichten in Zeitschriften (u.a. Poet, Ostragehege, lauter niemand, randnummer), in Anthologien (u.a. Deutscher Lyrikkalender 2011, Versnetze 3) sowie in Online-Portalen (u.a. Poetenladen, Fixpoetry, Lyrikmail). Nominierung für die 2.Lesung des Münchner Lyrikpreises 2011.

„Steinbrück scheut sich nicht, gesellschaftliche Realitäten in ebenso klarer wie scharfer Sprache aufzugreifen und diese in einem Zerrspiegel ad absurdum zu führen: wir sind auf Kurs / und es ist an der Zeit / unter Deck aufzutauchen / um einzuschlafen. Eine Lyrik, die souverän ihrer eigenen Logik folgt und weit davon entfernt ist, in moralisierende oder agitatorische Banalitäten abzudriften. Kein selbstgewisses lyrisches Ich, kein Agitieren von einem sicheren Standpunkt aus. Stattdessen entwirft Steinbrück surrealistische Szenarios auf der Höhe der Zeit mit dichtem Blick auf das Alltägliche. Scheinbare Gewissheiten, die sich auflösen, Perspektiven, die gebrochen werden und pointierte Devisen, gerne als ironische Aufforderung zur Leichtigkeit, wenn es etwa heißt: bitte nehmen Sie / ihr Leben doch / nicht zu persönlich.“

Götterclique, geschlossen

Du traumhaftes Mikrofaserland
wo die Beatmung der Reisebusse stagniert
wird der mit dem längsten Steuerknüppel
Klassensprecher dieser Autobahn

macht noch immer in Trikot-Etagen
macht billig macht das sein Garten ein Turm wird
sein Schwager hat die Elbe neu designt
und leuchtet davon ohne anzuhalten

die Ausweisung der Wettkampfzonen
stimmen sie ab im Club eine Art von Heim
hier
hier bleibt die Kälte im Dorf

Dienstag, den 1. November 2011

Franz Konter und Hadayatullah Hübsch

Crosstown Traffic4.- 20.11.2011, Do.- Sa. 17- 20.00 h
Walpodenakademie, Neubrunnenstraße 8, Mainz

Fr., 4.11.2011, Eröffnung: Einführung Dr. Peter Oehler, Lesung Franz Konter. 20.00 h, Eintritt: frei

Sa., 19.11. ­­­­Buchrelease „Kaleidoskopidschi“ Ein Leseabend in Erinnerung an Hadayatullah Hübsch. 20.00 h, Eintritt: 3 €So., 20.11. Beatbrunch mit Versingung von August Priebe und Lyrikaufnahmen aus dem San Francisco der 60er Jahre. 12.00 h, Eintritt: frei

Der Mainzer Kunstverein Walpodenstraße 21 e.V. und der gONZo-Verlag laden ab dem 4. November in die Walpodenakademie zu der Ausstellung „Crosstown Traffic“ ein, die aus der literarischen wie bildnerischen Zusammenarbeit von Hadayatullah Hübsch und Franz Konter entstanden ist. Zur Vernissage wird Dr. Peter Oehler am 4. November ab 20 h einleitende Worte sprechen. Im Anschluss daran liest Franz Konter aus Crosstown Traffic.

Sowohl die Zeichnungen/Collagen als auch der Text wurden von einem der beiden Künstler begonnen und dann an den anderen „durch die Stadt“ geschickt, um weiter bearbeitet zu werden. So entstand neben dem assoziativen Handlungsstrang der Wortebene auch eine Serie von mehr als 50 Arbeiten auf Papier, die den Text begleiten, ohne im eigentlichen Sinne illustrativ zu sein. Hübsch, verstorben am 4. Januar 2011, war Beat-Lyriker, eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Undergroundszene der sechziger Jahre und Vorsitzender des „Verbandes deutscher Schriftsteller“ (VS) in Hessen und Imam in der Nuur-Moschee in Frankfurt.

Am 19. November findet anlässlich des Release von „Kaleidoskopidschi – Erinnerungen an Hadayatullah Hübsch“, einer Sammlung aus Beiträgen von Freunden, Bekannten und Kollegen Hadayatullah Hübschs, ab 20.00 h eine Lesung der Autoren Alexander Pfeiffer, Julia Mantel, Ewart Reder und Peter Oehler statt.

Am 20. November wird die Ausstellung ab 12.00h mit einem leckeren Beat-Brunch, Lyrik aus dem San Francisco der 60er Jahre, sowie einer Versingung von August Priebe, ausklingen.


Kaleidoskopidschi – Erinnerungen an Hadayatullah Hübsch

Sonntag, den 9. Oktober 2011

“Also du willst genau wissen, wie es gewesen ist“, schrieb Hadayatullah Hübsch, Schriftsteller der Beat-Generation, 68er-Aktivist und tiefgläubiger Moslem in einem bislang unveröffentlichten Gedicht. Nach seinem plötzlichen Tod am 4. Januar 2011 entstanden aus den Erinnerungsschnipseln seiner Wegbegleiter, Kollegen und Freunde Texte und Bilder – Gedanken unterschiedlichster  Formen und Genres. Der gONZoverlag hat diese Spielformen der Verarbeitung des nicht Fassbaren zusammengesammelt und sie in zwei Bänden gebündelt. Entstanden ist ein kaleidoskopartiges, buntes Gefüge, ganz im Sinne von Hadayatullah handmade und mit Kollagencover.  Ob Drogenrausch, Spiritualität oder Trauer am Grab – erfassen lassen sich weder Hadayatullahs Tod noch die Stimmung früherer Zeiten in ihrer Gesamtheit. Doch ist es möglich, durch den Blick in das Kaleidoskop ein Stück des facettenreichen Lebens dieses beeindruckenden, großartigen Menschen nachzufühlen. Denn einige wollen es genau wissen.Mit Beiträgen von:

Almut Aue, Urs Böke, Frank Bröker, Brummbär, Monika Carbe, Ingo Cesaro, Joe Durrang, Peter Frömmig, Christoph Fuhrken, Pablo Haller, Ulrich Holbein, Astrid Konter, Franz Konter, Rainer Langhans, Siggi Liersch, Julia Mantel, Michael Meinike, Axel Monte, Volker Neef, Ni Gudix, Peter Oehler, Alexander Pfeiffer, Jürgen Ploog, Ewart Reder, Gerhard Schinzel, Karl-Heinz Schreiber, Peer Schröder, Manfred Steinbrenner, Annette Stock, Lui Tratter, Florian Vetsch, Johannes Witek uvm.

für thomas brasch

Dienstag, den 4. Oktober 2011

streich mir das haar

aus der stirn,

ich habe bretter

vorm kopf, die

die welt bedeuten

berühre mich dort

wo ich nie gewesen

bin.

Lyrik-Veranstaltung zur Buchmesse (mit Musik)

Dienstag, den 27. September 2011

flyerNFDKklein

Lesung in Frankfurt-Höchst

Freitag, den 16. September 2011

Lesung mit Andreas Risse und Julia Mantel

am 30. September 2011

ab 20h

in der OSTERIA DA FIDELE
Leverkusenerstr. 9

erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln S1/ S2

ich packe immer noch geschenke aus

Mittwoch, den 7. September 2011

eine vergessene jugendliebe rutscht mir
aus dem karton und ein paar minuten
später über den buckel,
wenn ich dabei zu laut war, tut es mir leid
im nachhinein.

Ausstellung am Rossmarkt/ Frankfurt

Dienstag, den 6. September 2011

“Hyde Park, Central Park - Regionalpark Rhein-Main”
Frankfurter Rundschau, 06. September 2011

“Landmarken: Hochsitze weisen auf Attraktionen an der Regionalpark-Rundroute hin, die am Sonntag eröffnet wird.”
F.A.Z. Rhein-Main, 06. September 2011

Noch bis Mittwoch, 07. September:

Rundum gute Aussichten!
Open-Air-Ausstellung
Roßmarkt, Frankfurt am Main

www.markgraph.de

sehr schöne, informative Ausstellung, u. a. mit einem Auftragsgedicht von mir.

spätsommergruß

Mittwoch, den 31. August 2011

es geht so oder so
so schnell & vorbei,
früher jung später alt,
an der ecke die kecke
hecke wechselt die
farbe nicht mal für
die pinkelnden hunde
deren tanzbeine
schwingen im flotten
takt bis zum daneben
treten, sag mal du,
nur für den kick, für
den augenblick, hörst
du mir überhaupt zu?