Master mit 1,6///////Leben mit Hartz IV (Artikel aus der SZ)

1. März 2015

Ist Armut erblich? Eine junge Leserin berichtet, wie Hartz IV sie seit ihrer Kindheit nicht loslässt - trotz Studiums, guter Noten und Arbeit.

Dieser Beitrag im Blog unseres Projekts Die Recherche, das sich derzeit den Themen Arbeit und Ausbeutung widmet, stammt von einer jungen Leserin. Jasna, die nicht unter ihrem vollen Namen veröffentlichen möchte, berichtet von ihren Erfahrungen mit Armut und Hartz IV, die sie seit der Kindheit begleiten - trotz Einser-Abschluss, Berufserfahrung und einer Auszeichnung:

Seit meinen Großeltern bin ich die Erste, die einen Studienabschluss hat und die Erste in meiner Familie, die ihn in Deutschland gemacht hat. Meinen Master in Germanistik habe ich mit 1,6 abgeschlossen, mit 24 Jahren. Das war vor fast einem Jahr. Aber ich finde keine Festanstellung und bekomme seit Herbst Hartz IV.

Seit mehr als einem Jahr schreibe ich Bewerbungen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, als Social-Media-Redakteurin, politische Referentin und Lektorin. Bisher bekam ich immer nur Absagen. Ein einziges Mal hatte ich ein Vorstellungsgespräch und das auch nur für ein Praktikum. Alle Absagen sind immer nett formuliert, meine Bewerbungen gefallen den Leuten in der Personalabteilung anscheinend, aber sie laden mich nicht ein.

Manchmal heißt es auch, dass ich noch zu wenig Arbeitserfahrung hätte und mich auf Praktikumsstellen bewerben soll. Da ich mein Studium bereits abgeschlossen habe, müsste mir seit Anfang des Jahres der Mindestlohn gezahlt werden. Aber das wollen die Firmen natürlich vermeiden und stellen fast nur noch Studierende ein, die ein Pflichtpraktikum absolvieren müssen, bei dem der Mindestlohn nicht anfällt.

Ein Pflichtpraktikum war in meinem Studiengang aber nicht vorgesehen. Und weil ich nebenher ohnehin immer arbeiten musste, um meinen Lebensunterhalt zu sichern, konnte ich meine Arbeitskraft auch nicht länger als 14 Tage kostenlos zur Verfügung zu stellen. Branchenbezogene Berufserfahrung während des Studiums ist oft ein Privileg für Studenten, die finanziell von ihren Eltern unterstützt werden, die nicht arbeiten oder auf die Regelstudienzeit achten müssen. Deren Überschreitung bedeutet, kein Bafög mehr zu bekommen.

Wie Hartz IV traumatisiert

Ich habe Zweifel, ob meine Bewerbungen auf richtige Jobs erfolglos sind, weil mir Berufserfahrung fehlt. Ich war ehrenamtlich im politischen Bereich tätig, ich habe immer neben dem Studium gearbeitet. Ich blogge regelmäßig, um aus dem Schreiben nicht rauszukommen, und einer meiner Texte wurde bereits in einem Buch veröffentlicht. Und auch jetzt arbeite ich ja - ich kann bloß nicht davon leben.

Das ist nicht meine erste Erfahrung mit Armut: Ich stamme aus einer Hartz-IV-Familie, meine Eltern müssen aufstocken, um über die Runden zu kommen, und waren in meiner Kindheit viele Jahre arbeitslos. Die Angst, nach dem Studium in Hartz IV zu fallen, war bei mir größer als bei anderen. Hartz IV traumatisiert. Experten glauben, dass Armut vererbt wird - was, wenn sie recht haben?

Als ich klein war, bekam ich zu hören, dass mir mit Gymnasiallaufbahn und einem Studium alle Türen offen stehen würden. Eine gute Ausbildung sei der sicherste Weg in einen guten Job. Rückblickend erscheint mir die Idee geradezu absurd, schließlich wuchs ich mit einem Vater auf, der drei Berufsausbildungen hatte und trotzdem irgendwann keine Anstellung mehr bekam.

In der Schule wurde ich von meinen Mitschülern gequält, weil ich aus einer armen Familie komme. Noch heute lächeln die meisten Menschen seltsam, wenn ich erzähle, dass ich aufstocken muss. “Ah, das ist so eine, die wahrscheinlich nichts gelernt hat”, denken sich wohl viele. Selbst wenn ich nichts gelernt hätte, stünde mir ein lebenswertes Auskommen zu. Aber ich habe studiert und umfangreiche Erfahrungen gesammelt, die auch für Personalabteilungen interessant sein könnten.

Zum Leben zu wenig

Stattdessen reise ich durch ganz Deutschland und mittlerweise auch ins Ausland, um für miese Honorare Vorträge über feministische Gesellschaftspolitik, Aktivismus und Gewalt im Netz zu halten. Ich darf neben Hartz IV 100 Euro pro Monat dazuverdienen, von jedem weiteren Euro darf ich 20 Prozent behalten. Nach zwei Jahren Vortragserfahrung bekomme ich langsam ein Gefühl dafür, was meine Arbeit wert ist. Ich korrigiere meine Honorare vorsichtig nach oben, um mich nicht unter Wert zu verkaufen und anderen nicht den Markt kaputt zu machen.

Aber ich verdiene trotzdem zu wenig, um davon leben zu können, und muss am Ende nur mehr ans Jobcenter abgeben. Wenn ich dann am Wochenende zur Hochzeit einer Freundin am anderen Ende Deutschlands oder über die Weihnachtstage zu meinen Eltern fahren möchte, muss ich einen Antrag stellen und mich, sobald ich zurück bin, persönlich beim Jobcenter melden. Als “Kundin” dort stehen mir nur 30 Tage “Ortsabwesenheit” im Jahr zu - Wochenenden und Feiertage eingeschlossen.

Mit den 100 Euro, die ich monatlich dazuverdienen darf, zahle ich den Teil meiner Miete, der aus bürokratischen Gründen nicht komplett vom Jobcenter übernommen wird. Da ist selten Geld übrig, um nach einem Vortrag mit den Auftraggebern noch was trinken zu gehen und dabei vielleicht den nächsten Auftrag zu bekommen.

Lernen, wie man einen Computer einschaltet

Ich kann verstehen, wenn Menschen sich vom Jobcenter ungerecht behandelt oder alleingelassen fühlen. Als ich meinen ersten Antrag nach SGB II, also auf Hartz IV, stellte, wurde ich direkt in einen zweitägigen Bewerbungskurs gesteckt: Wir sollten lernen, wie die Jobsuchmaschine der Arbeitsagentur funktioniert. Die funktioniert wie jede andere Jobsuchmaschine auch und wer sich regelmäßig im Internet bewegt, kann eigentlich wenig falsch machen.

Ich bin eine der Initiatorinnen des Hashtags #aufschrei, der mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde; ich leite Social-Media-Workshops und diskutiere auf Podien unter anderem über Onlinekommunikation. Meine Vorerfahrungen wurden aber nicht berücksichtigt bei der Auswahl des Kurses, den zu besuchen ich verpflichtet war. Also starrte ich zwei Tage lang auf einen Bildschirm, während der Großteil der Kursteilnehmer lernte, wie der Computer eingeschaltet wurde.

Ich habe in einem Alter mein Studium abgeschlossen, in dem andere nicht wissen, was sie überhaupt studieren sollen. In dem wieder andere schon die Hände von Mamis Vorgesetzten geschüttelt haben oder mit wichtigen Leuten Kaffee trinken gehen, weil sie schon als Kinder auf deren Schoß gesessen haben. Ich bin kein Akademikerkind und so fehlt mir das Wichtigste, um erfolgreich zu sein: gute Beziehungen.

Der Gedanke, dass wir alles schaffen können, wenn wir uns nur anstrengen, ist ein neokapitalistisches Märchen. Er blendet aus, dass Menschen unterschiedliche Startpositionen haben und welche Diskriminierungsstrukturen es gibt.

Um im Berufsleben erfolgreich zu sein, spielen informelle Kriterien eine große Rolle: Wer sich souverän in akademischen Kreisen bewegt, kommt besser an als Menschen, die dort neu sind. Was mir und anderen in ähnlichen Situationen fehlt, ist nicht der Wille - es sind Netzwerke, Wissen über soziale Codes und positive Erfahrungen. Ich habe keine Ahnung, wie andere berufliche Kontakte knüpfen und wie ich mich auf Veranstaltungen verhalten soll, auf denen Leute mit Sektglas in der Hand herumstehen. Wer aus einer nicht akademischen Familie den Weg an die Uni fand, kennt das Gefühl, nicht dazuzugehören.

www.sueddeutsche.de/wirtschaft/die-recherche-zu-arbeit-master-mit-leben-mit-hartz-iv-1.2365940

neustart

27. Januar 2015

schnell fällt die vita auf
den tisch & fertigpizzen
servieren sie
für unsere luxuskörper

ein code
hinterlassen auf der haut
am nächsten morgen
trägt mich
durchs junge jahr.

VORMERKEN: veranstaltung des museums für angewandte kunst

30. Dezember 2014

Samstag, 03. Januar 2015

14 - 15 Uhr

Lebensraum Bahnhofsviertel – Stadtvierteltour zur Ausstellung Give Love Back. Ata Macias und Partner mit Julia Mantel und Meltem Toprak. Treffpunkt im Museumsfoyer.

Druck auf die Schwächsten erhöht

29. Dezember 2014

“Hartz IV war für viele ein richtiger Absturz”- das meint der Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge. Mit der Reform, die vor zehn Jahren in Kraft trat, sei der Druck auf die Schwächsten in der Gesellschaft gestiegen, sagte er im DLF. Das habe die damaligen Regierung unter Gerhard Schröder so gewollt.

Ziel der damaligen Regierung sei nicht gewesen, dass mit Hartz IV gefordert und gefördert werde - sie wollte den Niedriglohnsektor ausbauen, meint Butterwegge: “Gerhard Schröder hat sich und seine rot-grüne Koalition auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos 2005 dafür gelobt, mit der Einführung einen der effektivsten Niedriglohnsektoren Europas geschaffen zu haben.”

Nachschub für den Niedriglohnsektor

Die Reform habe nur in Details Verbesserungen gebracht. Hauptsächlich aber schaffe Hartz IV immer weiter Nachschub für den Niedriglohnsektor, da die Leistungsbezieher jeden noch so schlecht bezahlen Job annehmen müssten. Außerdem kritisierte Butterwegge die scharfen Sanktionen, die bei Nichterfüllung der hohen Anforderungen drohten.

Der jetzt beschlossene Mindestlohn stellt für ihn keine Lösung dar. “Das wäre vielleicht vor zehn Jahren eine Möglichkeit gewesen, Hartz IV nach unten abzusichern.” Jetzt käme er erstens zu spät, außerdem sei er zu niedrig und kenne zu viele Ausnahmen.

Das Interview in voller Länge:

Jürgen Zurheide: Das Wort Hartz IV alleine, es spaltet. Auf der einen Seite sagen viele, das ist die Erfolgsgeschichte überhaupt, der Grundstein dafür, dass es Deutschland besser geht, die Arbeitslosigkeit gesunken ist und mehr Arbeitsplätze als je zuvor da sind. Auf der anderen Seite gibt es nicht wenige, die sagen, es gibt mehr Minijobs, prekäre Beschäftigung, die Armut insgesamt in der Gesellschaft hat zugenommen, und sie sagen, das hat eben auch mit Hartz IV zu tun. Was ist nun richtig? Die Frage wird schwer zu beantworten sein. Wir wollen heute Morgen mit einem der Kritiker sprechen, der sagt und jetzt in einem Buch gerade noch geschrieben hat: “Auf dem Weg in die andere Republik”. Ich begrüße Christoph Butterwegge, Professor der Universität in Köln. Guten Morgen, Herr Butterwegge!

Christoph Butterwegge: Ja, guten Morgen, Herr Zurheide!

Zurheide: Herr Butterwegge, jetzt will ich Sie mal ganz bewusst fragen als jemand, der sich häufig und kritisch, nicht zuletzt jetzt gerade noch geäußert hat: Gibt es gar nichts, was positiv ist?

Butterwegge: Na, es gibt in dieser riesigen Reform auch kleine Details, die Verbesserung gebracht haben, zum Beispiel für Sozialhilfeempfänger, die jetzt Zugang haben zu den Leistungen der Bundesagentur für Arbeit. Also Vermittlungstätigkeiten, Beratung. Aber das hätte man mit einem Federstrich bewerkstelligen können, dieses Recht einzuräumen den Sozialhilfeempfängern, stattdessen hat man aber ein riesiges Gesetzespaket geschnürt, in dem ganz, ganz viele Verschlechterungen sind. Dass Menschen, die lange gearbeitet haben, eben nicht mehr wie bis zum 31. Dezember 2004 die Arbeitslosenhilfe bekommen auf der Grundlage ihres letzten Gehalts, beispielsweise wenn sie jahrzehntelang gearbeitet hatten, dann sichergestellt zu werden bis zur Rente, sondern jetzt bekommen sie nach relativ kurzer Zeit des Bezuges von Arbeitslosengeld I das Arbeitslosengeld II, anders ausgedrückt Hartz IV, auf dem Niveau der früheren Sozialhilfe. Und ich meine, das ist ein Absturz, der da erlebt worden ist für viele Hunderttausende. Was nicht aufgewogen wird durch einige kleine Detailverbesserungen.

Zurheide: Auf der anderen Seite, ich habe es auch gerade gesagt, es gibt mehr Beschäftigung, weniger Arbeitslosigkeit. Das führen Sie anders als viele zumindest der herrschenden wirtschaftspolitischen Kommentatoren nicht auf Hartz IV zurück und auf diese Reform?

Butterwegge: Nein, absolut nicht. Ich vermag gar nicht einzusehen, wenn im letzten Jahr in Deutschland mehr Kinder geboren worden sind und die Zahl der Störche zugenommen hat, beweist das eben nicht, dass der Klapperstorch die Babys bringt, sondern das eine hat mit dem anderen gar nichts zu tun. Dass wir relativ gut im Vergleich zu anderen europäischen Ländern aus der globalen Finanz- und Weltwirtschaftskrise herausgekommen sind, das hat damit zu tun, dass man Konjunkturpakete aufgelegt hat, dass man noch einen halbwegs funktionierenden Kündigungsschutz hat, dass das Kurzarbeitergeld verlängert worden ist, dass es Arbeitszeitkonten in den Betrieben gab. Also alles Maßnahmen, die mit Hartz IV überhaupt nichts zu tun hatten. Und ich finde diesen Kurzschluss verwunderlich, dass überall in der Gesellschaft oder fast überall angenommen wird, Hartz IV sei dafür verantwortlich. Es gibt ganz, ganz viele Gründe anzunehmen, dass Hartz IV dazu überhaupt nichts beigetragen hat.

Zurheide: Jetzt sagen Sie, wir sind längst auf dem Weg in eine andere Republik, die prekären Beschäftigungsverhältnisse habe ich auch vorhin angesprochen. Rund ein Viertel, also fast so viel wie in den Vereinigten Staaten ist es inzwischen in der Bundesrepublik Deutschland. Warum hat das aus Ihrer Sicht mit Hartz IV zu tun?

Butterwegge: Ja, weil Hartz IV immer Nachschub für den Niedriglohnsektor erzeugt. Man hat ganz scharfe Zumutbarkeitsregeln mit Hartz IV eingeführt, man muss jeden Job annehmen, auch wenn er nicht tariflich oder ortsüblich bezahlt wird. Und das bedeutet natürlich, jemand ist gezwungen, eben auch solche prekären Beschäftigungsverhältnisse – Minijobs, Midijobs, Leiharbeit, Zeitarbeit, Werkverträge und Ähnliches mehr – anzunehmen, um die Erfordernisse zu erfüllen, die es bei Hartz IV gibt, um in den Leistungsbezug hineinzugeraten. Und es gibt ein scharfes Sanktionsregime zusätzlich. Also, wer Pflichtverletzung begeht, wer Stellen nicht annimmt oder Weiterbildungsangebote ausschlägt, der bekommt starke Abzüge, wenn er jung ist sogar beim zweiten Mal, alle Leistungen gestrichen, sowohl die Geldleistungen als auch die Zuschüsse für die Miete und die Heizkosten.

Zurheide: Auf der anderen Seite gibt es inzwischen den Mindestlohn, oder es wird ihn geben jetzt im kommenden Jahr. Wird damit nicht ein Grundkonstruktionsfehler, wenn man Ihnen denn folgt, wird der nicht beseitigt, den man eigentlich schon eher hätte beseitigen können, aber immerhin, er wird jetzt beseitigt … Wird der was ändern?

Butterwegge: Ja, das wäre vielleicht vor zehn Jahren eine Möglichkeit gewesen, Hartz IV gewissermaßen nach unten sozial abzusichern. Aber …

Zurheide: Klammer auf: Das ist übrigens nicht passiert, weil auch die Gewerkschaften das damals nicht wollten, das muss man, glaube ich …

Butterwegge: Ja, einige Gewerkschaften hatten Sorge um die Tarifautonomie. Aber ich denke, auch damals gab es schon Gewerkschaften wie die NGG, also Nahrung, Genuss, Gaststätten, die das gefordert haben, auch ver.di. Der Mindestlohn, wie er jetzt kommt von der Großen Koalition, der ist zu niedrig, der kommt zu spät und der kennt viele Ausnahmen. Und gerade für Langzeitarbeitslose, also die von Hartz IV Betroffenen, gilt der Mindestlohn ein halbes Jahr lang nicht. Und das bedeutet natürlich, es wird Drehtüreffekte geben. Das heißt, Unternehmen, die auf Lohn-Dumping setzen, werden Langzeitarbeitslose einstellen, ein halbes Jahr lang unterhalb des Mindestlohns von 8,50 Euro bezahlen, und dann einen neuen einstellen. Und das heißt, gerade Langzeitarbeitslose haben gar nichts vom Mindestlohn. Und auch die Aufstocker, also Menschen, die Hartz IV zusätzlich zu niedrigen Löhnen beziehen, auch die fallen – so sagt die Bundesagentur für Arbeit selbst – nur zu fünf Prozent aus Hartz IV heraus durch diesen Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro. Er müsste einfach höher sein, um seine Funktion erfüllen zu können.

Zurheide: Was müsste denn aus Ihrer Sicht passieren, damit das, was die Initiatoren ursprünglich mal wollten – und wir wollen ja nun nicht unterstellen, dass sie das nicht wollten –, sie wollten fördern und fordern gleichzeitig, was müsste passieren, damit das wirklich geschieht und wirklich Menschen mehr in vernünftige Arbeit kommen?

Butterwegge: Na, also, erst mal würde ich das schon unterstellen. Und ich zeige in meinem Buch ja auch über Hartz IV und die Folgen, dass Gerhard Schröder beispielsweise in Davos auf dem Weltwirtschaftsforum im Januar 2005 sich und seine rot-grüne Koalition dafür gelobt hat, dass man einen der effektivsten Niedriglohnsektoren in Europa geschaffen habe. Man wollte mit Hartz IV nicht die Langzeitarbeitslosigkeit bekämpfen – heute ist jeder dritte Arbeitslose ein Langzeitarbeitsloser –, sondern man wollte die Löhne senken und man wollte dafür sorgen, dass Arbeitslose noch stärker unter Druck geraten. Fördern und fordern war das Versprechen, aber gefördert worden ist sehr wenig. Ich hätte den Vorschlag, dass man Geld in die Hand nimmt, um einen öffentlich geförderten Beschäftigungssektor zu schaffen. Aber dazu müsste man natürlich auch eine andere Steuerpolitik machen, nämlich die stärker heranziehen zur Finanzierung von sozialen Problemen, die sich das leisten können. Also Gutverdiener, Spitzenverdiener, Kapitaleigentümer, Unternehmer, Manager. Diejenigen, auf die man auch, als Hartz IV gemacht wurde, Druck hätte ausüben können. Man hat aber stattdessen Druck eher auf die Schwächsten in der Gesellschaft ausgeübt.

Zurheide: Das waren die Wertungen von Christoph Butterwegge, der Hartz IV sehr kritisch sieht. Bevor ich mich von ihm bedanke, sage ich: In einer Woche werden wir hier mit Wolfgang Clement reden, der hat das alles initiiert, der hat dann möglicherweise eine andere Sicht. Herr Butterwegge, ich bedanke mich heute aber für Ihre Sicht der Dinge!

Butterwegge: Bitte schön!

www.deutschlandfunk.de/zehn-jahre-hartz-iv-druck-auf-die-schwaechsten-erhoeht.694.de.html?dram%3Aarticle_id=307225

Stilblüten 2014

3. Dezember 2014

Stilblüten

Veranstaltungsort:
Mercedes-Benz
Niederlassung Frankfurt/Offenbach
Hanauer Landstr. 121
60314 Frankfurt am Main

Impressionen Höchster Designparcours Winter 2014

1. Dezember 2014

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photos: andreas schmunk

HÖCHSTER DESIGNPARCOURS/ WINTER 2014

25. November 2014

Fr 28.11 - So 30.11.14

UNVERMITTELBAR wird einen stand in der
albanusstrasse 17 haben.

ÖFFNUNGSZEITEN: FR. 16H-20H, SA. & SO. 12H-20H

www.designparcours.de

Schwester

22. November 2014

4 Lichtjahre später
im Schatten
gediehst du prächtig
zur vollen Blüte
Dein Charakter
zum Vorschein gekommen
hieltest Du meine Hand
von hinten.

schwanenseeproben

16. November 2014

nirgendwo
ein schaumschläger
im badezimmer

spiegelland, schlecht geputzt

brust rein, kopf raus,
hände an die wand,
plié, relevé.

1984

7. November 2014

in die zu grossen schuhe
stieg ich ein

kein laufsteg weit und breit

das parfum der lehrerin in der nase
verlieh mir flügel

und niemand wünschte mir zum abschied
hals- und beinbruch.