Sylvestermorgen unweit des Alexanderplatzes

1. January 2026

Die Raben
sitzen schwarz
auf den
weiß verschneiten
übergequollenen
Mülltonnen
des frischen
Jahres.

Ob sie
tatsächlich
Pech
bringen
werden
oder es
sich diesmal
anders
überlegt
haben?

Schnee rieselt
auch auf die
verschossenen
Feuerwerkskörper
ringsherum
alle schon erschöpft
und überall verstreut.

Eine alte Frau
stochert
wie mit einer
Gabel
durch die
zugefrorenen
angelegten
Beete nebenan
und sammelt
Plastikflaschen
die sich zwischen
den Pflanzen
verheddert haben
vom Winde verweht.

Hand in Hand
halten wir uns
und unser Atem
klirrt in
in die Kälte.

In Bälde
wird die Müllabfuhr
ihre Pflicht
erledigt haben

und auch
die Raben
werden dann
verschwunden
sein.

Gähnende Leere/ Lehre

22. December 2025

Wahrscheinlich geht es den meisten Menschen so schlecht,
weil ihnen permanent ein Glamour suggeriert wird,
den es nicht gibt.

Sie wissen dann nicht wohin mit ihrer Unsicherheit.

Als Folge tragen sie zu sehr auf (mit z. B.):
Make-Up und Vita.

.
.
.

Abrupt lacht der Lifestyle-Journalist alle aus
und verlässt den Saal.

Verzückt zurück (sehnen/lehnen)

22. December 2025

“Ich höre”,
sagte die
verwöhnte Göre.

Von nun an
würde sie
sich an
jeglicher
Ablehnung
anlehnen
können.

Brot, Lose, Kunst

22. December 2025

Und Du
spannst
ein paar
Hofnarren
vor den Karren
und nennst
es “Schmiermittel”.

Eher nein!

22. December 2025

Immer sollte
das Leben
irgendwie
fesselnd sein.

Manche Menschen
wollen sich
dafür extra
fesseln
lassen.

Ist es dann
auch fesselnd
genug für sie
wenn sie
ausschließlich
an das Haus
gefesselt
sind?

Zwie-Trachten-Fest

18. December 2025

“Du bekommst doch
nur aus Egoismus
keine Kinder!”

Dieser Vorwurf
sollte eigentlich sitzen
stattdessen saß ich da
wie von selbst
quasi wie eine Eins.

Ja, eben wie eine Eins,
nicht wie eine Zwei.

“Ach, ich bin froh,
dass sich meine Kinder
im Alter um mich
kümmern werden”
gab die zuvor
Vorwerfende
anschließend zu.

Ich will nicht meckern,
aber diese Aussage
hörte sich
für meine Ohren
nun WIRKLICH
nach EGOISMUS an.

french kiss

18. December 2025

mon rêve
soit-il
toujours
privé?
il y a
des ans
j’ai
perdu
ma langue
laisse béton.

Oper bei Opa

18. December 2025

Sie kamen
unten
in der beheizten
Stube zusammen
und träumten
von teurem Porzellan
in den
heruntergekommenen
Schränken.
Alles hätte zusammen
gestrichen werden
müssen.
Doch heute
freuten sie sich
auf einen Abend
in der Oper.
Die Großfamilie
wollte sich stärken
und versammelte sich
deshalb um den Tisch
mit der
frisch gestärkten
Decke.
Man hatte sich
Mühe gegeben.
Wer gab ihnen
schon das
letzte Hemd?
Ein paar
Manschettenknöpfe
trotzten
heute Abend
mit Glanz
an den Gelenken.
Einer aus der
Mischpoke
gab sich schließlich
einen Ruck
und laute
Opernmusik
eroberte sogleich
das morsche Haus.
Tatsächlich hatte
er den Anschaltknopf
des Radios gefunden.
Die Köpfe um
das Radio herum
schlugen fast
zusammen
als hätten sie
dafür
ganz ähnliche
Antennen.
Auch die Gläser
erzitterten
vor Ehrfurcht.
Diese Operngala
bei Opa
übertraf
tatsächlich
wie so oft
alle Erwartungen.

Schandschatten

29. November 2025

Seit zu vielen Jahren
überschattest Du
mich und mein Leben.

Unter
Deinem Schatten
befinden sich
gelegentlich
auch Blitze.

In die Ritze
zwischen
Zwerchfell & Nabel
wünsche ich mir
jedoch tatsächlich
andere Gestalten.

Die Falten
kommen sowieso
von selbst.

Schalten und walten
jedoch
will ich
diesmal
alleine.

Unterbrechung des lyrischen Verwertungskreislaufs

20. November 2025

Schon immer
haben die Dichter
innen und außen
ihre Zimmer
beschrieben und
das was sie zusammenhält.

Durch die Telefone
drang ab und zu
der Tratsch
aus der Stadt
in die Stuben.

Lenkte er ab?
Verunreinigte er
die Wörter?

Aufgepasst
werden sollte bei
dessen Verwertung.

Manche Dinge
müssen einen
nichts angehen und
keinen Weg
in die Allgemeingültigkeit
finden.

Bleibt alles
am besten
unter vier Augen
oder es gibt etwas
auf die Ohren.