immer weiter
Thursday, den 9. April 2015beim küssen
augen zu & durch
den horizont
beim küssen
augen zu & durch
den horizont
Undercover #3: Rotlicht im Studio 294
Der Leib scheint wie das Gedicht zu sein, sehr einsam. Semantisch betrachtet entstehen beide erst in der Gemeinschaft, werden sich ihrer gewahr in den Augen und unter den Fingern der andern . Ob käuflich oder freiwillig – Ausagieren macht Spaß.
Fürs Gedicht reicht schon die Liebe zur Farbe Rot, um zum Kreis der Verdächtigen zu gehören, der heute Abend abgeschritten werden soll. UNDERCOVER DIE DRITTE reicht von Rot wie Ampelschaltung bis Rot wie Rotlichtviertel. Dass womöglich allem, was wir tun, ein grundsätzlicher Lustfaktor innewohnt, wäre ein kleinster gemeinsamer Nenner, den zu finden dieser Abend Gelegenheit gibt.
Vier Dichter*Innen lesen nicht ihre eigenen Gedichte und genau deswegen darf das Publikum streiten, welches denn nun das beste ist. Undercover ist eine Publikumslesung bei dem das Publikum sich um das Gedicht bemüht. Welches Gedicht möchten Sie im Rampen- oder Rotlicht?
Gefördert wird die Veranstaltung vom Kulturamt Frankfurt. Wir sind nicht förderungsbedürftig, wir sind förderungswürdig!
Lesung:
Magdalena Jagelke, Adrian Kasnitz, Julia Mantel und Paul-Henri Campbell
Moderation:
Katharina Mantel & Martin Piekar
Donnerstag, 16. April 2015, ab 20.00 h
Eintritt 3 €
Studio294
Gutleutstraße 294
60327 Frankfurt am Main
alles fällt
so schwer
nirgendwo
ein meer
das kissen umarmt.
schnell fällt die vita auf
den tisch & fertigpizzen
servieren sie
für unsere luxuskörper
ein code
hinterlassen auf der haut
am nächsten morgen
trägt mich
durchs junge jahr.
4 Lichtjahre später
im Schatten
gediehst du prächtig
zur vollen Blüte
Dein Charakter
zum Vorschein gekommen
hieltest Du meine Hand
von hinten.
nirgendwo
ein schaumschläger
im badezimmer
spiegelland, schlecht geputzt
brust rein, kopf raus,
hände an die wand,
plié, relevé.
in die zu grossen schuhe
stieg ich ein
kein laufsteg weit und breit
das parfum der lehrerin in der nase
verlieh mir flügel
und niemand wünschte mir zum abschied
hals- und beinbruch.
stell dir einfach vor
wir wären
powermenschen der unterhaltungsindustrie
& unsere tränen aus diamanten.
das telefon hat heute menstruationsbeschwerden
& ich bin verschollen wo du abgeblieben bist
will ich nicht wissen die buschtrommel schlägt
einen takt zu laut deine interviews
kenne ich auswendig
der bäcker gibt mir das brot
auch so.
ich habe den blockflötenblues
nicht erfunden, auch wenn der himmel
heute grau über den dörfern hängt.
nur mässige freude
sprudeln die hartz-vier-biere
den menschen am büdchen entgegen
in ihrem verblichenen arbeiterrot.
sind wir doch endlich mal ehrlich:
die jungen dinger machen uns
schon lange die preise kaputt.