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Lyrik muss nicht antiquiert und elitär sein

Monday, den 28. October 2013

Neue Reihe „Undercover“ will modernen Gedichten wieder Leben einhauchen

Die Lyrik hat es schwer, gilt sie doch weithin als sperrig, elitär und antiquiert. Um diese oft verschmähte Literaturgattung zu beleben und sie populärer zu machen, luden Autoren aus Frankfurt und Offenbach ins Blaue Haus am Mainufer zur ungewöhnlichen Lyriklesung namens „Undercover“.

Niederrad.

Es sollte keine „Wasserglaslesung im Elfenbeinturm“ werden, erklärte Marcus Roloff, Frankfurter Autor, Übersetzer und Lektor. Außerdem sollte es „um die Gedichte selbst gehen“, wie es eine weitere Autorin, Sandra Klose, Abiturientin aus Offenbach, formulierte. Zur Lyriklesung „Undercover. Frankfurter Autoren und ihre Lieblingsgedichte“ lud man das Publikum am Donnerstagabend daher ins Blaue Hause am Niederräder Mainufer - einen Ort, der für eher ungewöhnliche, aber moderne Kulturveranstaltungen bekannt ist. Und die Namen der Autoren, deren Gedichte vorgetragen wurden, verschwieg man vor und während der Lesung, um einer vorschnellen Wertung seitens des Publikums vorzubeugen. Inhalt und Form der Gedichte sollten für sich selbst sprechen. Es waren nämlich keine Werke von Roloff, Klose oder den beiden anderen Frankfurter Autoren, Julia Mantel und Martin Piekar, sondern Lieblingsgedichte dieses Quartetts, die in den vergangenen zwei Jahren veröffentlicht wurden.
Sie wollten „eine Lanze brechen“ für die moderne Lyrik, sagte Julia Mantel, denn die Lyrik habe es schwer: Es ließe sich kein Geld damit verdienen, weshalb Verlage pleitegingen. Marcus Roloff verdeutlichte das Dilemma: „Die Leute, die Lyrik kaufen, sind meistens auch die, die Lyrik schreiben“ - ein kleiner Zirkel also, gilt die Lyrik doch vielen als das ungeliebte Stiefkind unter den Literaturgattungen.

Zu elitär?

Zu sperrig, schwer verständlich und antiquiert lautet die Kritik häufig, zumal die Assoziationen meist unbeliebte Begriffe aus der Lyrikanalyse wachrufen: Alexandriner und Hexameter, Jambus oder Zäsur. Müßige Stunden aus dem Deutschunterricht oder dem Grundseminar der Germanistik werden da wach sowie Namen, die im Zeitalter der Popkultur nicht eben „angesagt“ sind: Goethe und Schiller, Heine und Celan - Männer mit Feinsinn für Glück und Schönheit zwar, aber auch für das Dunkle, Morbide und vor allem das Komplizierte. Der Vorwurf des Elitären eilt der Lyrik stets voraus, von Roloff mit der „Wasserglaslesung im Elfenbeinturm“ benannt.
Die Undercover-Lesung hielt man deswegen mit dem Vorsatz ab, Lyrik populärer zu machen, weshalb moderne Texte und die Interaktion mit dem Publikum in den Vordergrund rückten. Nach jedem Gedicht wurde abgestimmt, ob aus dem jeweiligen Gedichtband noch ein weiteres Stück Poesie gehört werden sollte. Und es wurde diskutiert, was an dem Text gemocht wurde und was nicht.

Viele Gespräche

Moderator und Initiator Jannis Plastargias sowie die vier Autoren debattierten so mit immerhin über 30, sich rege mitteilenden Lyrik-Interessierten über Sinn und Unsinn eines Schriftbildes in reiner Kleinschreibung, den Einsatz des Et-Zeichens, (&) anstatt eines ausgeschriebenen „und“ oder ob Textpassagen als ironisch oder als kitschig zu bewerten wären. Zwar ging es mitunter auch dabei etwas kompliziert zu, doch blieb die Atmosphäre stets locker und wenig elitär.
Zum beliebtesten Gedichtband wurde am Ende „Ich lebe in einem Wasserturm am Meer, was albern ist“ von Carl-Christian Elze gewählt, erschienen im Verlag Luxbooks aus Wiesbaden. Dass der daraus zuletzt vorgetragene Text ausgerechnet von kopulierenden Fliegen handelte - wobei der Begriff kopulieren hier ein sehr umgangssprachliches Wort ersetzt - sorgte für Verstimmung und Freude gleichermaßen: Er zeigte eindrücklich auf, wie nahe sich Ordinäres und Zartes in heutiger Lyrik sein können.
Jannis Plastargias freute sich hinterher, dass sogar mehr geredet wurde, als er gedacht hätte, womit sich das Ziel der Lesung, das Gespräch über Lyrik zu beleben, also erfüllte. Einer angekündigten Wiederholung des Abends steht nichts im Weg.

(Thorben Pehlemann)

Frankfurter Neue Presse vom 26. Oktober 2013

DEIN LIED****out now!

Monday, den 14. October 2013

Augst & Daemgen:

DEIN LIED

CD mit 17 Liedern unter Mitwirkung von

John Birke, Wolfgang Müller, Johanna Milz,
Christian Anders, Rüdiger Carl, Raymond Pettibon,
Thomas Desi, Julia Mantel.

Erschienen im Kuckuck-Schallplattenverlag
in Kooperation mit dem Deutschlandfunk.

ISBN: 0-13711-11102-6

family-values

Wednesday, den 9. October 2013

ich finde schwestern, grösser, kleiner,
big brother, tante, onkel, grosspapas,
seit jahren wortgestammel,
hufenscharren, immer wieder
sind wir picknick-stars.

unser haar haben sie zusammen
geflochten, die ringe sind bestellt.

UNDERCOVER. frankfurter autorInnen und ihre lieblingsgedichte

Wednesday, den 18. September 2013

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Hinter “Undercover. Frankfurter Autor*Innen und ihre Lieblingsgedichte” verbirgt sich ein neues Veranstaltungskonzept, das als Reihe angelegt ist: für Frankfurt und die schwer zu knackende Gattung Lyrik, für die Interaktion zwischen Autor*In und Leser*In, für eine lebendige Literatur.

Berlin. Leipzig. Hildesheim: Hier steppt der literarische Bär, das sind die Zentren der angesagten neuen Literatur. Sagt man. Und was sagt Frankfurt? Die Lyriker*Innen Sandra Klose (*1994), Julia Mantel (*1974), Marcus Roloff (*1973) und Martin Piekar (*1990) machen sich gemeinsam mit Jannis Plastargias (*1975) auf den Weg, die Lyrik in Frankfurt neu zu verorten und Frischluft ins angestaubte Metapherngekräusel zu bringen.

Bei der Auftaktveranstaltung werden die Lyriker*Innen jeweils zwei deutschsprachige Gedichte aus einem aktuellen Gedichtband anonym ins Rennen schicken, und hoffen, dass das Publikum wie beim Slam genug grüne Karten zückt, um am Ende das ‘Gedicht des Abends’ zu küren. Der Moderator vermittelt zwischen Jury und Publikum, beide Gruppen diskutieren darüber, warum es sinnvoll ist, sich ausgerechnet mit dem je ausgewählten Gedicht zu beschäftigen – oder eben nicht.

Die auf “Verstehen” getrimmten Schulstunden, in denen das Gedicht als Abfragethema missbraucht, nicht aber als Ort augenblicklicher (Sprach-) Schönheit anerkannt wurde, kennen wir alle. Und dabei ahnen wir, dass Gedichte hochkomplexe, verwegene und die Welt aus den Angeln hebende Sprachgebilde sein können. Wir wollen (und können) ihr das Verkopfte nicht nehmen, wollen aber das Gefühl im Gespräch über sie zu seinem Recht kommen lassen. Der subjektive Blick ist entscheidend.

Eintritt: EUR 3,00

Blaues Haus
Niederräder Ufer 2, 60528 Frankfurt am Main

Donnerstag, 24. Oktober 2013
ab 20 Uhr

autumn

Wednesday, den 11. September 2013

ich steh auf
leg mich hin

instantkaffee
mit viel milch
ohne zucker

tabak, blättchen und filter
immer zum selben preis

die zigarette
schliesslich angezündet
ausatmend den rauch

komische, aber treue
angewohnheit

der regen peitscht
mit dem herbst
an das fenster

irgendwie ziemlich unsensibel.

stattdessen

Sunday, den 11. August 2013

& plötzlich fällt dir dann ein
sommer ein, farbenfroh eine parkbank,
im versteck, auf der noch genügend platz & sonne schien
für 2 körper gut abgehangen wie ein doch zu teures steak,
das du dir schon lange nicht mehr leisten kannst,
4 hände ineinander gefaltet zum gebet
& namen hinter uns eingeritzt drücken in unsere rücken &
gewissen, dann willst du eigentlich den schwamm
drüber & plötzlich sagst du stattdessen: schwimm rüber
zu mir oder zu dir auf einen kaffee, tee,
beutel weggeworfen
plitschplatsch
in den see.

provinzlesung 2013 in der bayerischen rhön bei pit engstler (21. bis 22. juni)

Monday, den 27. May 2013

provinzlesung-1

mit u.a.: Ann Cotten, Theo Köppen, Bert Papenfuß, Kai Pohl, Olaf Velte, Julia Mantel.

Kalte Buche/ Rhön.

nahaufnahmen strick

Friday, den 17. May 2013

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oberteil// handstrick// verschiedene farben// bändchengarn// rückenfrei// 89 euro

photos: andreas gärtner

tut mir leid, liebe leser, momentan bin ich lyrik-lazy!

Monday, den 13. May 2013

methode

Sunday, den 10. March 2013

und dann in diesem raum
dahingestellt, wir so alleine,
das sei mal.

beobachtung ist eine folter
methode, lücken in der vita
& der erinnerung.

es ist vorbei, dass ich dir
alles gebe, aufgepasst:
mein small-talk macht dich
lächerlich.