Archiv der Kategorie 'Schreiben'

Wednesday, den 22. March 2006

IMG_9041.JPG

photo: simone scardovelli

“alles ist echt” beim verstärker

Saturday, den 4. March 2006

Zur Verstärker Release Lesung/ Party:
Am Samstag den 11. März um 20.00 Uhr mit Einlass 19.30 im Café Bar Kunstraum „Propeller“, Seumestr. 23 in Berlin (Friedrichshain)
Für musikalische Abwechslung zwischen den Texten sorgt Konny mit seiner linkspolitischen Wandergitarre und nach der Vorstellung des Verstärkers sorgt dj mutti für den angenehmen Ausklang mit Tanzmusik.

lesung am 4. märz

Tuesday, den 28. February 2006

Hafenküche/Hafen 2
Hafen 2a in offenbach
hafenkueche@yahoo.de
www.hafen2.net

ab circa 20:30h
in der hafenküche
in offenbach
(kuratiert von anny und sibel oztürk)

kurzprosa und lyrik

von und mit
julia mantel.

crescendo

Saturday, den 25. February 2006

einen wimpernschlag
zu oft zurück
geblinzelt

als musik
die tapetenwand
herunterschrie

meine wütenden arme
aus metastasen
verschlangen dich
eine rechtfertigung
zu früh.

spurensuche

Thursday, den 5. January 2006

einmal verlassen
für immer

kilometerweite haut
als narbe gebrandmarkt
zur spurensuche freigegeben

lockstoff der hunde
am anderen ende der welt
das täterprofil wird noch erstellt

die münder blieben einen spalt breit
zu lange geöffnet

die worte müssen jetzt schweigen.

LESUNG AM 10. JANUAR

Monday, den 2. January 2006

wann?
am 10. januar
ab 18h

wo?
im literaturhaus darmstadt
casinostr. 3

mit wem?
teilnehmerInnen diverser
darmständter literaturwerkstätten

ESSEN UND TRINKEN IST REICHLICH VORHANDEN.

hh

Wednesday, den 28. December 2005

hamburg
15° celsius
und ein taxi
hält an:

-wie finden sie denn das wetter heute?!

-na heute ist ja eher KEIN wetter.

-aber ein UNwetter ist es auch nicht.

hafenklang

Wednesday, den 28. December 2005

ich
die seemannsbraut
du
auf hoher see

nachts
schlafe ich
am hafen
an den schiffen
angelehnt

alles
flutet und tutet

der wind zerzaust
mein haar

und mein herz
wird so schwer.

auf augenhöhe

Tuesday, den 27. December 2005

auf augenhöhe
sehe ich dich fallen
sehe ich dich kommen

falle:
komme um.

Soft, bretonisch.

Thursday, den 22. December 2005

Anna und Bernd hatten eingecheckt. Ihre unsichere, zögerliche Liebe wurde scheinbar immer offizieller: ein Doppelzimmer, bitte und das ganze auf französisch ausgesprochen. Une chambre pour deux personnes, s´il vous plait. Anna war froh, dass sie es ohne Akzent sprach. Vielleicht würde Bernd bei ihr bleiben. Seine Phantasie machte sie fast ohnmächtig, sein zarter Körper, sein Summen im Auto zu der Kassette, die sie extra für diese Reise aufgenommen hatte.
Sein Blick auf die Dinge, seine Locken, seine Geschichten, seine Uneitelkeit, seine zarten Worte und immer wieder das Streicheln über ihren Kopf.
Anna atmete durch, sie wollte ihn nicht verlieren und ging mit ihm die Treppe hoch, er öffnete zaghaft die Tür mit dem Schlüssel, den sie gerade überreicht bekommen hatten.
Anna liess sich sogleich aufs Bett fallen. Bernd wollte erst einmal duschen.
Sie packte ihren kleinen Koffer aus und stellte ihre Habseligkeiten in den Schrank.
Das schwarze Kleid, das sie trug, konnte sie auch heute Abend für das Essen im Restaurant anbehalten. Die Sonne hatte ihre Haut gebräunt, das Salz des Meeres ließ ihre Frisur wilder aussehen als es ihr fast lieb war. Anna seufzte und hörte wie die Dusche ansprang, hörte das hastige Trippeln von Bernds nackten Füßen auf den Fließen des kleinen Badezimmers. Hier schien es nur kaltes Wasser zu geben. Ihr war alles egal, sie wollte den Sommer ihres Lebens genießen, die Gespräche führen, die ihr eine Antwort auf die Fragen der letzten Jahre gaben, den Körper berühren, den sie viel zu lange vermisst hatte.
Anna guckte an sich herunter, ihr Busen wölbte sich leicht unter dem fließenden schwarzen Stoff, der schon etwas ausgebleicht war von der Sonne, sie cremte sich die Arme ein, putzte sich die Zähne und guckte dabei in den Hotelzimmerspiegel, der an seinen Rändern, die kein Rahmen umfasste, schon etwas rostig schien. Es war schön hier zu sein, das Meer riechen, den Zirkus hören zu können, der mit lauten Wägen und großem Tamtam draußen die Strasse entlang fuhr, um Werbung zu machen für die Kindervorstellung am nächsten Nachmittag.
Bernd kam aus der Dusche und Anna fiel über ihn her, nahm seinen zarten, nackten Körper in ihre Arme, schmiss ihn auf das etwas durchgelegene französische Bett und sich auf ihn drauf und leckte ihn schließlich von oben bis unten mit der Zunge ab. Als sein Schwanz nach kurzer Zeit steif wurde, nahm sie ihn erst in den Mund, doch da sie Angst hatte, komplett ihr Make-up zu zerstören, nahm sie das pulsierende Teil in die rechte Hand, drückte es leicht und fuhr mit den Fingern wieder und wieder hoch und runter. Als sich sein Sperma über ihrer Hand und über seinen spärlichen Bauchflaum ergoss, konnte sie es fast nicht ertragen, wie er sie dabei anschaute: liebevoll, hingebungsvoll, auch ein bisschen fordernd, irgendwie erschöpft und doch vollem potentiellem Tatendrang.
Anna legte sich neben Bernd, ihr schwarzes Haar neben seinem schwarzen Haar, ein fließender Übergang, sie gehörten zusammen und sie zogen sprichwörtlich an einem Strang.
„Komm, wir gehen runter ins Restaurant, heute Abend gibt es eine große Fischplatte, zieh dich schnell an, ich ziehe noch mal meinen Lippenstift kurz nach.“
Bernd gehorchte. Er schnappte sich eine relativ schicke schwarze Hose, streifte dazu ein cremefarbenes Hemd über, das er nicht ganz bis zum Hals zuknöpfte und dann schritten sie Hand in Hand und etwas außer Atem die Treppen des kleinen bretonischen Hotels hinunter als hätte jemand darüber einen roten Teppich gelegt, nachdem Bernd die Tür abgeschlossen hatte.

Im Speiselokal empfing sie ein grandioser Blick aufs Meer, doch sie waren sich so sehr selbst genug, dass sie den postkartenreifen Sonnenuntergang kaum bemerkten.
Als der Garcon schließlich kam, waren sie schon mit zahlreichen Themen durch: Freundschaften, Kindheit, Familienplanung, erster Sex, Peinlichkeiten in der Schule usw.
Der Kellner zeigte ihnen die Karte, Anna strich mit ihrem rechten Zeigefinger über die Angebote und musste plötzlich laut auflachen als sie die weißen Flecken auf ihrer Hand bemerkte: über ihren Fingern lag eindeutig eine getrocknete Schicht Sperma. Sie lief rot an, ihre Hand schnappte zurück, Bernd guckte aufgeschreckt zwischen Besteck und erstem Rotwein hoch- bis er das Missgeschick erkannte.